Cabriodach selbst aufziehen

26.05.2014 |  Von  |  Auto
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Cabriodach selbst aufziehen
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Cabrio zu fahren bedeutet ein unvergleichliches Erlebnis. Der direkte Kontakt zur Sonne, zur Luft und zu den Geräuschen der Umwelt machen die Fahrt in einem Cabriolet zum Autofahren mit besonderer Sinnlichkeit. Das Angebot von Fahrzeugen dieser Art ist sehr breit: Besonders günstige Gebrauchtfahrzeuge sind schon für wenige Hundert Franken zu haben.

Aber so günstig ein gebrauchtes Ford-Escort-, Opel-Astra-, Renault- oder Volkswagen-Golf-Cabriolet zu locken scheint, meistens haben diese Fahrzeuge einen entscheidenden Haken: das Verdeck. Gerade bei niedrigpreisigen Angeboten befindet sich dieses zumeist in einem jämmerlichen Zustand. Dass daran gespart wird, ist nur zu verständlich: Professionell instand gesetzt, übersteigt das Soft Top eines Cabriolets sehr schnell den gesamten Anschaffungspreis des Fahrzeugs bei Weitem. So präsentieren sich die Verdecke älterer Fahrzeuge häufig vergilbt, verschmutzt, zerrissen und unfachmännisch mit Klebeband repariert.



Was tun also, wenn die Lust aufs offene Fahren unstillbar scheint und sich das Fahrzeug ansonsten in einem vertretbaren Zustand präsentiert? Nur Mut: Selber machen ist möglich. Um vorab keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Von „einfach“ kann beim Neubeziehen eines Soft Tops keine Rede sein. Es ist eine Herausforderung für Personen, die sich einfach einmal etwas zutrauen möchten. Aber es ist auch kein Hexenwerk und mit Respekt für die Sache und einem Mindestmass an Qualitätsbewusstsein ist diese Arbeit für jeden und jede zu schaffen.

Zunächst stellt sich die Frage: Woher nehmen? Ein neues Soft Top fürs Cabrio muss schliesslich erst einmal beschafft werden. Fachfirmen für Ersatzbezüge sind über den gesamten Globus verteilt. Besonders günstig bei vertretbarer Qualität sind neue Bezüge aus den USA zu erhalten. Diese bekanntermassen autoverliebte Nation verfügt über viele exzellente Unternehmen, welche grosse Erfahrung mit dem Ersatz, der Reparatur und der Wartung von Cabriolet-Dächern haben.

Es werden üblicherweise Soft Tops aus Vinyl oder aus Stoff angeboten. Hierbei ist zu bedenken, dass Vinyldächer zumeist erheblich preiswerter sind als Stoffdächer. Ist das Fahrzeug selbst schon ein Schnäppchen gewesen, ergibt ein teures Stoffdach im Grunde keinen Sinn. Die Vinyldächer kommen ihrerseits mit einer mehrjährigen Garantie, so dass nichts gegen die preiswerte Variante spricht. Zu bedenken ist nur, dass zum Kaufpreis noch die Fracht und der Zoll hinzukommen. Beides kann bis zu 50 % des Kaufpreises ausmachen. Der Kauf lohnt sich in der Regel dennoch.

(Bild: © Robert Schumann)

(Bild: © Robert Schumann)




Um ein Vinyldach aufzuziehen, benötigt man: kräftigen Kontaktkleber, einen Satz Schraubenzieher, eine Drahtbürste mit Messingdraht, Kreide, Lösemittel, Lappen, Massband, eine Digitalkamera und, besonders wichtig, einen Heissluftföhn.

Die Vinylbezüge sind vom Hersteller extrem eng ausgelegt. Dies dient dazu, stets eine sauber gespannte Oberfläche am geschlossenen Dach herzustellen. Falten und Senken sehen nicht nur unschön aus, sich in Pfützen sammelndes Wasser kann ein Soft Top schnell wieder ruinieren.

Das alte Verdeck sollte behutsam demontiert werden. Es wird dringend davon abgeraten, den verbrauchten Stoff einfach mit einem scharfen Teppichmesser abzuschneiden. Das behutsame Demontieren des Soft Tops zeigt dem mutigen Monteur den korrekten Sitz des Daches. Es empfiehlt sich, bei jedem Arbeitsschritt eine Aufnahme vor, während und nach der Demontage zu machen. Dies kann beim Montieren des neuen Verdecks sehr hilfreich sein.



Ebenso sollten die Verschraubungen keinesfalls mit einem Akkuschrauber gelöst werden. Zu schnell hat man sich die Kreuzschlitze der Schrauben rundgedreht. Ersatzschrauben sind zwar nicht teuer, es ist aber äusserst lästig, aus diesem Grund die Arbeit für eine Fahrt in den Baumarkt unterbrechen zu müssen. Alle Komponenten wie Schrauben, Leisten und Dichtungen müssen aufbewahrt und nachvollziehbar gelagert werden. Im Zweifel markiert man sich mithilfe von Kreppband und Filzstift die Lage der Bauteile.

Wenn das Dach entfernt ist, reinigt man alle Klebestellen mit dem Lösemittel und der Drahtbürste. Die Messingdrahtbüste ist weich genug, um keine Schäden am Spriegel zu verursachen.

Nun wird das Dach montiert. Man geht von hinten nach vorne vor. Mit dem Massband misst man die Breite des Daches und markiert genau die Mitte unterhalb des Heckfensters. Nun montiert man zunächst die hintere Fixierung des Soft Tops von der Mitte nach aussen. Je nach Hersteller sind dafür verschiedene Konstruktionen vorgesehen. Wenn es nicht passen will, kommt der Heissluftföhn zum Einsatz. Dieser trägt seinen Namen zu Recht, darum sollte man nur extrem behutsam damit arbeiten.



Wer sich dies nicht zutraut, kann auch einen konventionellen Haarföhn verwenden. Die Arbeit dauert mit diesem Haushaltsgerät zwar länger, dafür ist die Gefahr einer Beschädigung des Vinyldachs wesentlich geringer. Kurze Stösse heisser Luft weichen das Vinyl so weit auf, dass es passend gezogen werden kann. Dabei ist es wichtig, stets flächig aufzuwärmen und nicht punktuell zu arbeiten.

Mithilfe der Fotos arbeitet man sich nun bis an die Vorderkante durch. Diese ist erfahrungsgemäss ebenfalls extrem knapp bemessen, so dass wieder fleissig mit heisser Luft gearbeitet werden muss. Hat man alles ordentlich verschraubt und verklebt, wird das Verdeck geschlossen. Es ist möglich, dass es sich nicht vollständig schliessen lässt. Wichtig ist, dass es unter Spannung steht.

So bleibt es mindestens für 14 Tage und sollte zudem so viel wie möglich in praller Sonne stehen. Die Spannvorrichtung kann während dieser Zeit regelmässig nachgezogen werden. Das Vinyldach setzt sich so allmählich und passt sich perfekt an seine neue Umgebung an. Nun können die nächsten Sommer kommen. Und der Wert des Fahrzeugs ist ebenfalls erheblich gestiegen.



 

Oberstes Bild: © Robert Schumann


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