Aus Wut mal eben ein Auto konstruiert

13.11.2014 |  Von  |  Auto
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Aus Wut mal eben ein Auto konstruiert
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Diese Geschichte hat das Zeug zur Legendenbildung: An einem Abend im Jahr 2008 kam der Ingenieur Paul Elio aus Phoenix (Arizona) vom Büro nach Hause und sah in einer Nachrichtensendung einen Bericht über die aktuellen Wirtschaftsdaten der USA. Er wurde, wie er selbst sagt, „stinksauer“. Denn der Bericht handelte von der sinkenden Wirtschaftskraft, verursacht durch hohe Ausgaben für Ölimporte.

Elio schimpfte, dass das Geld auch noch in Staaten fliesst, die die USA „nicht leiden können“. Seine Frau antwortete ihm kurz und knapp: Er solle sich nicht aufregen, sondern etwas ändern.

Gesagt, getan. Elio fuhr noch am selben Abend zurück ins Büro und machte sich an die Entwicklung eines sparsamen Autos. Nur acht Wochen später war bereits der erste Prototyp unterwegs, und einen Businessplan gab es auch. Der Wagen sollte 6’800 Dollar kosten und nur etwas mehr als zwei Liter Benzin verbrauchen. Für die Konstruktion verfolgte Elio einen radikal schlichten Ansatz, um den niedrigen Preis möglich zu machen: Die wesentlichen Elemente sind ein Metallrahmen, eine Karosserie aus Kunststoff sowie ein Drei-Zylinder-Motor unter der Fronthaube. Die meisten Teile – rund 80 Prozent – stammen von Modellen anderer Hersteller. Neu konstruiert wurde nur, was es nicht schon anderswo gab.

Der Zweisitzer bringt nur 560 Kilogramm auf die Waage und schafft mit seinen 55 PS gute 160 km/h. Auch die Ausstattungsvarianten drücken den Preis: Es gibt lediglich sieben Farben und zwei Getriebeversionen zur Auswahl. Bisher wurden 60 Millionen Dollar investiert, Anträge beim Staat und bei Banken in Höhe von 200 Millionen Dollar laufen. Das Konzept ist so weit ausgereift, dass wohl im Herbst 2015 mit der Serienfertigung begonnen werden kann.

Mittlerweile gibt es allein in den USA 35’000 Interessenten für das Sparmobil, ein Drittel hat bereits 1’000 Dollar angezahlt. Auch Exporte nach Europa, Kanada und Mexiko sind geplant, aber erst ab 2016 oder 2017. Die Verantwortlichen glauben, dass in Zukunft bis zu 250’000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen können. Für die Fertigung hat Elio Motors ein ehemaliges General-Motors-Werk in Shreveport im Bundesstaat Lousiana günstig erworben, ein Standort, der nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Wo in Zukunft das wahrscheinlich sparsamste US-Auto produziert wird, baute GM früher das wohl gierigste – den Hummer.

 

Oberstes Bild: © AbElena – shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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