Audi TT: Klassik trifft auf Moderne

14.07.2015 |  Von  |  Neuwagen
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Audi TT: Klassik trifft auf Moderne
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Zugegeben, ich hatte einige Vorbehalte, als ich auf den Audi TT zugegangen bin. So ein Audi ist doch völlig unterkühlt, kann der hitzige Emotionen hervorrufen?

Und 230 PS sind zwar okay, aber für einen Sportwagen…doch ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil.

Wenn man es so will, sind Testwagen meine Arbeitsgeräte. Ich benutze sie eine Woche lang, bilde mir meine Meinung, schreibe ein Urteil und gebe sie wieder ab. Vielfach läuft es so ab. Es gibt aber Autos, die würde ich, genauso wie ich sie zur Verfügung gestellt bekomme, kaufen (wenn ich kein armer Student wäre). Der TT gehört auch zu denen. Es hat für mich einfach alles gepasst, ich habe das Auto mit jedem Kilometer mehr gemocht…

Doch der Reihe nach. Mein Testwagen war grau. Daytonagrau Perleffekt, um genau zu sein. Klingt schön und viele schwärmten tatsächlich für diese Farbe. Ich jedoch bin abermals um das Auto herumgelaufen und fand: Nein. Alles, aber nicht grau. Dieses Auto muss leuchten, es muss präsent sein auf der Strasse. Aber ich kann halt nicht alles haben. Die weitere Analyse ergab: S Line-Sportpaket und wuchtige 20-Zöller, die mal eben die Kleinigkeit von 3800 Franken extra kosten. Er schaut schon verdammt gut aus, der TT. Schnittig, geduckt, mit klassischen Coupé-Proportionen, das macht schon etwas her.


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Das Interieur gibt sich mit den S-Sportsitzen nicht minder sportlich. Doch die wahren Neuerungen stecken in der Bedienung. Audi hat sich vom zentralen Display verabschiedet und dem TT stattdessen das sogenannte Virtual Cockpit mit auf den Weg gegeben. Die Navi-und Multimediaeinheit verschmilzt dabei mit digitalen Instrumenten direkt vor den Augen des Fahrers auf einem gestochen scharfen Display. Die Bedienung ist äusserst einfach und intuitiv. Für eine Navigationsangabe kann man einfach Buchstaben auf ein Touchpad hinkritzeln. Bereits nach drei oder vier Buchstaben wird meistens die passende Stadt (europaweit notabene) angezeigt.

Eine Klimaeinheit sucht man im TT ebenfalls vergebens, die Bedienung steckt direkt in den Lüftungsdüsen. Sehr schick und clever. Das alles lässt den Innenraum vom TT sehr puristisch, aber gleichzeitig hochmodern erscheinen. Dass die Verarbeitungsqualität und die Materialanmutung auf einem sehr hohen Niveau liegen, versteht sich von selbst. Dass auf den Rücksitzen allenfalls ein Säugling Platz findet, versteht sich allerdings ebenfalls von selbst. Ich bekomme nur schon beim Anblick Platzangst.

Angetrieben wird mein Test-TT von einem 2,0-Liter Turbobenziner, dessen 230 PS von einem 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe verwaltet und auf alle vier Räder verteilt werden. Alternativ sind auch ein manuelles 6-Gang Getriebe und Frontantrieb erhältlich, aber ich bin ganz froh drum, dass ich quasi das Rundum-Sorglos-Paket zur Verfügung hatte. Der TT soll die Rolle des Alltagssportlers wahrnehmen und genauso habe ich ihn auch getestet. Langstrecke nach Italien, Kurztrips, Pässe, Stadtverkehr, das volle Programm. Ich bin in den TT eingestiegen und wollte nie wieder aussteigen. Wenn die Deutschen etwas perfekt beherrschen, dann ist es die Ergonomie.

Diese Sitze…ein absoluter Traum, ich könnte mit dem TT bis ans Ende der Welt fahren. Wie es sich für einen Sportwagen gehört, sitzt man ausgesprochen tief und knapp über dem Asphalt. So soll es sein. Ich habe den TT über einen Pass geprügelt, einen langen, verwinkelten Pass. Er hat die Aufgabe mit Leichtigkeit gemeistert. Der Motor bietet übers gesamte Drehzahlband massig Schub, 370 Nm sei Dank (Anmerkung am Rande: Der TTS hat lediglich 10 Nm mehr). Das sollen 230 PS sein? Ich würde dem TT mindestens 250 PS bescheinigen. Er wiegt zwar 1450 Kilo, aber er fühlt sich an wie ein Fliegengewicht.


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Er ist nicht extrem schnell, aber er ist extrem direkt und präzise. Sein Handling ist seine Geheimwaffe. Das Sportfahrwerk lässt keinerlei Seitenneigung zu und trotzdem werden Bodenwellen bravourös absorbiert – und das trotz 20-Zöller. Respekt. Natürlich brüllt sich der TT beim Beschleunigen nicht die Seele aus dem Leib, aber er klingt schön und sportlich. Beim Hochschalten unter Last gibt’s zur Belohnung sogar eine hübsche Fanfare zu hören. Egal, wie hart ich ihn rannehme, der TT bleibt die Ruhe selbst, bewahrt ständig die Fassung und fängt erst sehr spät an zu untersteuern. Keine Faxen, keine plötzlichen Ausbrecher, nix. Er ist sehr kontrolliert und steckt trotzdem voller Fahrfreude.

Obwohl er ein Sportwagen und kein Reisewagen ist, fühle ich mich auf der Autobahn wie auf Wolke 7. Das Fahrwerk federt straff, aber dennoch ziemlich sanft. Der TT hat nie einen üblen Schlag ausgeteilt. Zwar nehmen die Abrollgeräusche auf der Autobahn zu, aber das liegt auch an den grossen Felgen. Die Abrollgeräusche lassen sich im Übrigen problemlos von der Bang & Olufsen Soundanlage übertönen. Schade aber, dass Audi für die Langstrecke keinen adaptiven Tempomat zur Verfügung stellt. Auch im Stadtverkehr leistet sich der TT keine Schwächen. Er stellt immer sofort brav den Motor ab, auch bei über 30 Grad. Das Getriebe schaltet sehr sanft und ruckelt nie. Ausserdem ist der TT erstaunlich übersichtlich und lässt sich selbst ohne Rückfahrkamera sehr einfach manövrieren.

Egal, wie ich den TT benutzt habe, er ist mir nie negativ aufgefallen. Im Gegenteil, er hat mich stets begeistert und mir jede Menge Freude bereitet. Er ist sehr einfach zu fahren und stellt den Fahrer nie vor schwierige Aufgaben. Es gibt härtere Sportwagen, die vom Fahrer mehr abverlangen, insbesondere heckangetriebe Fahrzeuge. Der TT hingegen ist so perfekt abgestimmt, dass er äusserst lange neutral bleibt. Das verleiht ihm einen unspektakulären Touch, weil er so perfektioniert ist, ändert aber nichts an der Tatsache, wie schnell man mit ihm einen Pass hochsausen kann.



Unter dem Strich ist der TT ein wahres Allround-Talent mit einem ausgeprägten Sinn für Fahrdynamik. Ich konnte ihm einfach nicht widerstehen und bin sehr oft sehr sportlich gefahren, weshalb mein Testverbrauch von 9,3 l/100 km den Normverbrauch von 6,5 l/100 km deutlich übertrifft. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen. Wer es gemütlich nimmt, bleibt garantiert unter 7,5 l/100 km. Schlussendlich sollte ich eigentlich noch kritisieren und herumnörgeln.

Natürlich ist er teuer, mit Allrad und Automatik kostet er mindestens 55’700 Franken, der Testwagen schlägt sogar mit 79’270 Franken zu Buche (Preise ohne Euro-Bonus). Die Abrollgeräusche dürften leiser sein. Ein adaptiver Tempomat wäre nicht schlecht. Und wenn schon eine so coole Klima-Bedienung, warum keine Zwei-Zonen-Klimaanlage? Aber das sind alles Kleinigkeiten. Sie können nicht daran rütteln, was für ein grandioses Auto Audi da auf die Strasse gestellt hat. Den TTS kann man sich schenken, der normale TT reicht völlig aus. Versprochen.

 

Bilder: © Koray Adigüzel

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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